Erfahrungsbericht Lasikoperation

Lasik aus der Sicht eines betroffenen Augenarztes

von D. Ohlhorst

Wie kommt ein Augenarzt dazu, sich eine Lasik machen zulassen? Ganz einfach: Es sind die gleichen Gründe wie die seiner Patienten. Mit einer Brechkraft des Auges von –1,75 /-2,0/0° und –4,25/-1,75/170° sieht man ohne Brille nicht allzu viel. Die Sehschärfe beträgt damit rechts 0,1 und links 0,3. Mit harten Linsen kam ich nicht klar: Die Zehntelsekunde, die es dauerte, bis die Linse nach dem Lidschlag wieder zentral auf der Hornhaut saß und der Visus stabil war, erschien mir zu lange und hat mich immer sehr gestört. Weiche Kontaktlinsen kamen wegen der schrägen Achslage meines Astigmatismus nicht in eine stabile Lage, so dass der Visus ebenfalls nicht zufriedenstellend war. Selbst die schönen kleinen leichten Brillen mit ihrem guten Sitz stören beim Schwimmen und ohne Brille findet man seine Kinder im Schwimmbad nicht wieder. Wassersportarten wie Wasserski oder Tauchen machen mit Brille keinen Spaß. So begann ich mich intensiver mit den Möglichkeiten der refraktiven Chirurgie zu befassen. Ich habe alles gelesen, was ich bekommen konnte, und alle Seminare belegt, die sich mit diesem Thema befassten.

Erstes Auge postoperativ

Erstaunlich scharf, aber etwas trocken

Über viele Jahre habe ich meinen Patienten von einer LASIK abgeraten. Ich habe gewarnt und geraten nicht zu den ersten Patienten zu gehören, die operiert werden. Dann hörte ich im Jahr 2000 einen Vortrag von Prof. Knorz, der mich sehr beeindruckt hatte. Die Information, dass sich in den USA tausende von Augenärzten eine Lasik machen ließen, tat ein übriges. Ich begann mich intensiv mit der Möglichkeit auseinander zusetzen, mich wirklich selbst operieren zu lassen.

Dann kam der große Tag, der 31.7.2000. In der Klinik, in der ich operiert werden sollte, herrschte eine ruhige und gelassenen Atmosphäre. Dafür ist man als Patient sehr dankbar. Dies und eine schöne Umgebung macht einem die Sache etwas leichter. Ich werde nach der Voruntersuchung in den Vorwartebereich des Ops geführt. Dort bekomme ich Überschuhe eine Haube und einen Mundschutz. Heute soll das RA operiert werden. Die Tropfanästhesie wird mit drei Tropfen Lokalanästhetikum durchgeführt. Ich werde nach einigen Minuten in den Op geführt und lege mich auf den Op Tisch. Dabei habe ich doch einen kleinen Klumpen im Bauch. Man glaubt gar nicht, wie gut selbst einem so abgebrühten und über alles erhabenem Kerl wie mir eine mitfühlende Hand tut. Das Auge wird abgeklebt und der Lidsperrer eingesetzt. Das alles habe ich schon hundertmal gesehen, allerdings aus der Sicht des Operationsassistenten. Von der Seite sieht die Sache angenehmer aus als es sich anfühlt. Nun soll ich in zwei Leuchtdioden schauen, eine rote und eine grüne. Die Saugglocke wird aufgesetzt und der Motortrepan tut seine Arbeit. Es wird dunkel – alles wie erwartet – ein wenig unangenehm, ein dumpfer Druck – nicht mehr. Ich bin bass erstaunt, wie gut die Oberflächenanästhesie wirkt.

Der Saugring wird abgenommen . Es wird wieder hell, der Flap ist zurückgeklappt. Die Leuchtdioden sind nur noch matschige Flecken. Ich habe immer noch ein leichtes Unbehaglichkeitsgefühl, spüre aber keinen Schmerz. Dann kommt der Laser und in wenigen Sekunden ist auch schon alles vorbei. Der Flap wird repositioniert. Ein erster Visuseindruck: Alles scharf vom Vordergrund bis in die weite Ferne, etwas milchig noch, aber insgesamt scharf vom Vordergrund bis in die Ferne. Faszinierend. Der Seheindruck eines astigmatischen Myopen ist anders. Die Nähe ist fast scharf und je weiter die Dinge weg sind, desto unschärfer werden sie. Dieser neue Seheindruck ist anders..

„Möchten Sie einen Verband auf das Auge haben?“ werde ich gefragt. Nein, ich doch nicht! Ich als Augenarzt bin über so etwas erhaben. Einen Verband brauche ich nicht!

Im Auto auf der Rückfahrt lässt die Anästhesie ein wenig nach, die anfängliche Euphorie ebenso. Ich bin froh Beifahrer zu sein! Nach und nach kratzt es sogar ganz gewaltig. Etwas kleinlaut schließe ich meine Augen und gehe etwas früher ins Bett als sonst.

Am nächsten Morgen öffne ich das neue Auge. Es ist etwas verklebt, aber oh Wunder: Ich sehe meinen Wecker scharf und die Bilder an der Wand gegenüber auch scharf. Es stellt sich ein Hochgefühl ein. Am Auge kratzt es ein wenig, aber das ist gut auszuhalten. Lichtquellen haben einen Hof. So sieht also ein Halo aus, denke ich und gehe arbeiten.

Die Mitarbeiterinnen hatte ich vorsorglich angewiesen, etwas weniger Patienten einzubestellen. Aus meiner Brille operiere ich das rechte Glas heraus und setze sie auf. Das bemerkt niemand. Tagsüber habe ich wenig Beschwerden, tropfe häufig ein Tränenersatzmittel und komme mit etwas ruhigerer Gangart gut durch den Tag.

Zweites Auge postoperativ:

Schnelle optische Rehabilitation

Abends geht es dann wieder in die Klinik, um das andere Auge operieren zu lassen. Der tolle Kerl fährt selbst – eine Stunde Autofahrt –, ist aber doch ein wenig im Stress: Jedenfalls rammt er einen kleinen Elektromasten.  Die kräftige Beule in der Tür ist das Lehrgeld.

Heute bin ich viel gelassener als gestern. Der Saugring drückt heute mehr als gestern, dafür spüre ich den Lidsperrer kaum. Das eigentliche Lasern scheint heute schneller zu gehen. Kann aber eigentlich nicht sein, links ist die Myopie höher.

Der postoperative Visuseindruck ist sogar noch besser als gestern beim erstoperierten Augen. Heute bin ich nicht mehr so überheblich und lasse mir einen Verband anlegen. Die Autofahrt ist deutlich angenehmer und der Rest des Tages auch.

Am nächsten Tag arbeite ich ohne Brille, noch etwas langsamer als sonst, aber ohne Probleme. Nachmittags fahre ich zu Nachkontrolle. Keine Probleme.

In den nächsten Wochen steigt der Visus auf beiden Augen stetig auf Werte um 0,8 bis 0,9. Ich habe ein relativ trockenes Auge – je trockener, desto schlechter der Visus. Ich merke, dass ich Schwierigkeiten beim morgendlichen Zeitungslesen habe. “Aha, das wurde dir ja vorausgesagt: Jetzt kommt die Presbyopie.”, denke ich . Die gemessene Refraktion liegt rechts bei  +1,0 /-1,0/ 140°  und links bei +1,25/-175/45°. Ich beschließe mir eine Brille machen zu lassen, um auf einen vollen Visus zu kommen. Knapp 1,0 ist mir in der Praxis zuwenig. Die subjektive Refraktion liegt bei +0,75/-0,75 140° und links bei +0,5/-1,25/ 40°. Da ich Anfang vierzig bin, lasse ich mir eine Gleitsichtbrille machen, mit der ich spontan gut zurechtkomme. Die Trockenheit des Auges wird langsam besser aber es ist noch nicht so wie präoperativ.

Re-Lasik wegen Restrefraktion:

Knapp 1,0 s.c. ist doch zuwenig

Dann habe ich monatelang nichts unternommen. Ich bin zufrieden, ich kann joggen ohne Brille, ich finde meine Kinder im Schwimmbad wieder und auch bei Dingen die sich hinter verschlossenen Türen abspielen, habe ich jetzt den vollen Durchblick. Einen neue Lebensqualität.

Im Februar 2001, ca. 5 Monate nach der Operation treffe ich dann den Kollegen, der mich operiert hat bei einer Fortbildung. Er findet meine Brille zwar ganz schick, aber meint die Restrefraktion müsse noch beseitigt werden.

Ich lasse mich auf eine Re-Lasik ein.

Am 9.4.2001 wird das rechte Auge erneut operiert. Das Procedere ist bekannt, beinahe Routine. Nach den Erfahrungen mit der guten Wirkung der Oberflächenanästhesie habe ich auch keine Angst. Dann werde ich eines Besseren belehrt. Das Eröffnen des Flaps ohne neuen Schnitt ist unangenehmer als die Saugglocke des Keratoms. Aber der Visus am zweiten postoperativen Tag ist 1,4. Ein großer Erfolg.

Einen Tag später der erfolgt der vierte Eingriff. Re-Lasik am linken Auge. Alles Routine, denke ich. Ich werde wieder eines Besseren belehrt. Die Atmosphäre ist toll: Ruhig wie immer. Ich bekomme wieder das Händchen gehalten. Die Operation verlief ohne Besonderheiten, praktisch schmerzfrei.

Dann die Kontrolle nach der Op. an der Spaltlampe. “Oh”, sagt der Kollege, der mich operiert hat, “ein Fremdkörper unter dem Flap bei zwei Uhr, da müssen wir noch einmal spülen”. Zurück in den OP, Flap abgehoben  – tut auch gar nicht weh, kräftige Spülung, Flap zurückgelegt. An der Spaltlampe: “Oh”, sagt der Kollege “jetzt ist der Fremdkörper bei 8 Uhr”. Ich denke: “Na, denn spül halt noch mal!”. Zurück in den OP.  Flap zurückgelegt, kräftig gespült, Flap wieder drauf, an die Spaltlampe. “Jetzt ist es in Ordnung”, meint der Kollege. Aber der Visus! Alles erscheint wie durch ein Milchglas. Riesige Halos. Visus schätzungsweise 0,4. “Nur nicht verzagen!”, rede ich mir gut zu.

In den nächsten Tagen erholt sich der Visus des linken Auges sehr langsam und steigt auf Werte von 0,8. Die rechte Seite bleibt bei 1,4. Damit lässt es sich leben. Über die nächsten Wochen erholt sich der Visus sehr langsam links auf s.c. 1,0. Binokular macht dieser Unterschied wenig Probleme, außer beim morgendlichen Zeitungslesen. Im Nahbereich macht der durch die Trockenheit bedingte Visusabfall deutlich mehr Probleme als in der Ferne.

Meine Gleitsichtbrille wird in eine Lesebrille umgebaut.

Mit der Trockenheit lebe ich dann fast 1 Jahr. Heute fast zwei Jahre post operationem ist es langsam besser, aber nicht mehr so wie früher. Ich habe ein deutlich trockeneres Auge als vor der LASIK, manchmal leide ich noch unter Fremdkörpergefühl, manchmal ist durch die Sicca der Nahvisus gestört, der Fernvisus komischerweise nicht. Selten fühle ich mich belästigt durch die Sicca, würde mich deswegen aber nicht gegen die Operation entscheiden.

Der Akkommodationserfolg ist wieder besser, und die Lesebrille liegt wieder in der Schublade.

Schon der Tausch der alten Fernbrille gegen die Gleitsichtbrille war ein guter Tausch weil der s.c.-Visus nach den Operationen für die meisten Freizeitaktivitäten ausreicht. Der Tausch einer Fernbrille gegen eine Lesebrille ist aus meiner Sicht ein guter Tausch, weil ich die Lesebrille seltener brauche als die Fernbrille. Mag sein das sich diese Einschätzung bei Zunahme der Presbyopie verändert aber die guten Erfahrungen mit der Gleitsichtbrille zeigen ja, das ich dann wieder eine Gleitsichtbrille oder eine halbe Lesebrille tragen könnte.

Meinen eigenen Patienten gegenüber bin ich bei der Beratung, ob eine Lasik gemacht werden soll oder nicht, immer noch zurückhaltend. Ich betone die Problematik des trockenen Auges und warne bei Myopien schon ab 8,0 dpt. vor nicht befriedigenden postoperativen Refraktionen. Die Operateure aus der Klinik in der ich operiert wurde operieren bis – 10 Dioptrien. Bei höheren Astigmatismen sage ich den Patienten sehr deutlich, dass eine zweite Operation wahrscheinlich ist. Bei dieser eher etwas verhaltenen Beratung beobachte ich nur noch zufriedene Patienten.